|

"Warum
sind Katzen vom Züchter denn so teuer?" Lautet eine
oft gestellte Frage. Haben Sie sich schon einmal diese Frage in allen
Details gestellt und wissen Sie, diese Argumente den Kaufinteressenten auch
allesamt weiterzugeben? In diesem Report geht es um die aus Unwissenheit
häufig diskutierte Frage, wieso Jungtiere aus einer Hobbyzucht denn im
Allgemeinen zu Preisen von im Schnitt 600
€ aufwärts an Liebhaber abgegeben werden.
Die
nun folgende Anzeige könnte am heutigen Tage in etwa so in Ihrem lokalen
Wochenblatt-Anzeiger unter Rubrik Tiermarkt abgedruckt sein:
Verschmuste Perserbabies "vom Hofäcker", 12 Wochen alt, in
verschiedenen Farben abzugeben, nur in beste Liebhaberhände. Einzelpreis
200 €,
als Pärchen je Tier nur 150 €. Bitte melden Sie sich unter Telefon.......
Ich
verrate Ihnen, was Ihnen als Katzenfreund oder Katzenzüchter beim Lesen
jetzt durch den Kopf geht: Der Mann macht ja wohl ganz schön die Preise
kaputt. Was soll denn das? Ermäßigte Preise, wenn man im Doppelpack kauft.
Die Tiere sind sicher krank oder haben andere Defekte.

Wie
aber könnte nun die Wahrheit sein, die sich hinter der Anzeige verbirgt?
Hier ist eine nachvollziehbare "Minimale Vollkostenrechnung:
Der Anbieter ist nicht Mitglied eines Katzenzüchter-Vereins und muss deshalb
bestimmte Vorgaben, z.B. was die erlaubte Deckhäufigkeit der Mutterkatze
betrifft, nicht einhalten. Er kann seinen Tieren trotzdem nette Namen geben,
wenn keiner widerspricht, so lange der Anbieter nicht zufällig einen bereits
registrierten Zwingernamen belegt hat. Er braucht keine Stammbaum-Papiere,
aber die potentiellen Käufer stört das nicht, da ihnen erläutert wird,
diesen Kostenfaktor könne man sich sparen und Papiere seien eh nur wichtig,
wenn man mit den Katzen weiter züchten wolle. Bei den Vorkosten hat der
Anbieter auch Glück gehabt: Den Deckkater bekam er von einer Frau geschenkt,
die ihre Zucht über Nacht auflöste wegen irgendwelcher persönlichen
gesundheitlichen Gründe. Die Kätzin hat der sogenannte Züchter ebenfalls
gratis erhalten, da sie über eine Fehlstellung ihrer Zähne verfügt und
deshalb von einem seriösen Züchter nicht zu Fortpflanzungszwecken eingesetzt
wurde und über Umwege letztlich in die Hände des geschäftstüchtigen
Katzenvermehrers gelangt. Ihm gelingt es, die vier Tiere des Wurfes
innerhalb von zwei Wochen zu veräußern, zwei als Solotiere und zwei als
Pärchen. Damit kann er knapp 700 € einstreichen. Sein Kostensaldo ist wie folgt: Die Tiere bekamen
Billigfraß aus Großdosen. Pro Tier inklusive Zusatzfuttermittel 0,50
€ pro Tag. Bei 4 Tieren und etwa 13 Wochen 182
€. An staubhaltiger Billigstreu aus dem Gartencenter verbrauchte jedes
Kitten täglich 0,18 €
Material. Gesamtkosten bei 13 Wochen somit 65,50
€.
Zwei Anzeigen in der örtlichen Presse 40
€ insgesamt. In der achten Woche hat er gegen
Katzenschnupfen und Katzenseuche impfen lassen, pro Tier 25
€, dazu noch sonstige Veterinärkosten pro Tier 12,5
€. Die Impfungen für die zwölfte Woche soll schon der neue Besitzer
tragen, macht in Summe 150 €.

So kann er, die Ausgaben vom Verkaufserlös abgezogen
immerhin gut 260 €
behalten.
Ob die Decktiere prädestiniert dafür gewesen sind, mit ihnen überhaupt zu "züchten"
und ob der Verkäufer den ideellen Wert der Katzenzucht hier nicht mit Füßen
getreten hat, soll nicht Gegenstand der Diskussion sein. Faktum ist: Als
Züchter wie auch als Liebhaber haben Sie mit solchen Kreaturen der
Gewinnmaximierung zu tun, die der seriösen Hobbyzucht durchaus Konkurrenz
macht.

Das Rassenkatzen teurer sind als ganz normale Kätzchen vom
Bauernhof, das weiß jeder, doch zusätzlich zu den genannten
„Billig-Züchtern" befindet sich der seriöse Rassekatzenzüchter auch in
Konkurrenz zu allen anderen Anbietern, die an Liebhaber zu günstigeren
Preisen Tiere abzugeben haben.

Nachstehend nun eine andere Kostenaufstellung:
Als verantwortungsvoller Züchter füttern Sie keine
Billigst-Marke und füllen eine gute Einstreu ins Kistchen. Für
Hygieneartikel sowie Futtermittel und Futtermittelergänzungen wollen wir
hier einmal täglich 2,50 € pro Katze ansetzen. Sie lassen in der achten Woche impfen
sowie in der zwölften Woche und sind grob geschätzt 55
€ je Jungtier los. Zusätzliche Tierarztkosten nochmals 10
€ pro Tier. Von "Luxus", der keiner ist, wie FeLV- und FIV-Test, großem
Blutbild mit Eiweißelektrophorese, einer Leukoseimpfung und einem
Gesundheitszeugnis wollen wir hier gar nicht reden.... Bei den Anzeigen
nehmen wir als minimalen Mittelwert 25
€
pro Anzeige an. Rechnen wir jetzt diese Fixkosten zusammen, laufen binnen
der ersten zwölf Wochen insgesamt 300
€ (als echtes Minimum) pro Tier auf. Manchmal bekommt man aber nicht
alle Jungtiere weg. Mit jeder Woche mit der ein Jungtier weiter bei Ihnen
verbleibt, fallen weiterhin Fixkosten an, ohne dass das Kätzchen dadurch an
"Marktwert" gewinnt. Im Gegenteil, viele Käufer sind enttäuscht, dass das
angebotene Tier bereits vier Monate oder älter ist. Fazit: Kosten steigen
schleichend, während die Erlössituation im Preis eher sinkt.

In
jeder Zucht treten in unregelmäßiger Weise immer wieder einmal Problemfälle
auf. Das ist gar nicht so ungewöhnlich oder schlimm, denn es sind Lebewesen
und keine Maschinen, die immer exakt funktionieren. Hier als Querschnitt ein
paar solcher Fälle:

Ein
Jungtier, im Gegensatz zu seinen Geschwistern ist äußerst schreckhaft und
zeigt sich keinem Besuch freiwillig. Folglich wird dieses auch nicht von
einem Liebhaberkäufer spontan aus dem Wurf als Wunschkatze herausgesucht.
Das
andere Jungtier verschmäht das gute Markenfutter seiner Geschwister und will
ausschließlich frisch zubereitetes Hähnchen- oder Putenfleisch. Alle
Umerziehungsversuche fruchten nichts, und so muss dem Tier zum Erhalten der
Gesundheit zusätzlich noch Futtermittelergänzungen gereicht werden.

Wieder ein anderes Kitten benutzt zwar das Kistchen für seine "Geschäfte",
doch die 100 %ige Treffsicherheit ist nicht immer gewährleistet. So darf die
Oberkatze nach jedem Geschäftchen den Boden reinigen.
Das
letzte Kitten hat das tägliche Am-Bauch-Kämmen als Kampfsportart erkannt und
verpasst der Züchterin trotz übergezogener Handschuhe jedes Mal nette
Kratzandenken auf den Armen und an den Händen.

Solche Tiere mit Problemverhalten verlangen nach besonders erfahrenen und
geduldigen Katzenfreunden um tatsächlich in die so oft zitierten
allerbesten Hände zu gelangen. Das aber heißt, die Suche nach dem neuen
Besitzer ist oft langwieriger. Auch dürfte das Tier in den meisten Fällen zu
einem besonders subventionierten Preis den Besitzer wechseln. Andererseits
wäre es töricht, Eigenheiten wie die oben genannten Macken zu verschweigen,
denn dann wird mit hochgradiger Wahrscheinlichkeit das gekaufte Tier wieder
zurückgegeben.

Vielen Leuten ist nicht gänzlich klar, dass Zuchttiere
nicht einfach aus dem Nichts gekommen sind. Zuchtkatern und Zuchtkätzinnen
kosten hartes Geld. Und wer will, kann auf der nach oben offenen Preisskala
schon mal für einen erstklassigen Import aus USA oder einem anderen Land,
durchaus schon mal mehrere tausend €
bezahlen. Dass der neue Besitzer zudem die Fracht bezahlt - oder noch besser
sein Tier persönlich abholt, darf dann auch noch ein Flugticket bezahlen.

Wenn man dann mit einer Zuchtkätzin zu einem Deckkater geht,
bringt das weitere Kosten: Die Reise dorthin, das Benzingeld, eventuelle
Übernachtungskosten. Die Deckgebühr beginnt bei einem guten Zuchtkater mit
400 €. Sollte die Katze beim ersten Besuch nicht trächtig werden, darf man
fairerweise nochmals kommen, was wieder Reisekosten beinhaltet. Schlägt dann
dieser zweite Versuch ebenfalls fehl, so ist die Deckgebühr weg. Bevor Sie
jedoch diese Aktion durchziehen können, ist ein aktuelles ärztliches
Gesundheitszeugnis fällig, diese Kosten müssen ebenfalls getragen werden.
Als Züchter treten Sie aber auch einer seriösen Züchtervereinigung bei. Der
jährliche Mitgliedsbeitrag und die zu erstellenden Stammbaumpapiere für die
Kitten müssen dann auch bezahlt werden. Der Beitrag beträgt so ab 40
€ pro Jahr und ein Stammbaumpapier so ab 15
€ pro Tier. Wenn die Tiere konsequent innerhalb des Rassestandards
gezüchtet werden und man an der Vervollkommnung des Standards weiterarbeiten
will, wird man ganz sicher regelmäßig Katzenaustellungen besuchen, um seine
Tiere dort zu präsentieren. Die Kosten pro Ausstellungstag belaufen sich pro
Tier ab 20 €.
Reisekosten und Verpflegungskosten für die Zweibeiner nicht mitgerechnet.
Außerdem fallen für internationale Championtitel auch Kosten für
Auslandsaufenthalte an.

Welche und wie viele Tiere Sie haben, wie Sie es mit
Deckkosten, Ausstellungen und Fachanzeigen handhaben, bleibt dem Züchter
vorbehalten. Wenn man jedoch oben genannte Details aufrechnet und untersucht,
so kommt man zu dem Resultat, dass jedes Jungtier eigentlich mehrere tausend
€ kosten würde, was aber am Markt nicht durchzusetzen ist. Wenn
Liebhaberkäufer sich dieser Wahrheit nicht verschließen und wissen, wieso
die kleinen Lebewesen aus Ihrer Zucht etwas wahrhaftig Besonderes darstellen,
dann merken alle Beteiligten rasch, dass die Kaufpreisdiskussion und der
Vergleich mit Tieren, die man fast umsonst bekommt, auf gänzlich
verschiedenen und überhaupt nicht vergleichbaren Ebenen ablaufen.

Frei
nach
Ingo
Faustmann
Katzen-extra, Heft März 1999

|